Was passiert mit deutschem Plastikmüll?

Deutschland gilt als Vorreiter beim Recycling. Aber was bedeutet das eigentlich? Was passiert mit den Verpackungen und Einwegprodukten aus Plastik im Müll? Und warum nimmt uns China keinen Plastikmüll mehr ab?

56 Prozent aller Abfälle sollen in Deutschland laut dem Weltwirtschaftsforum recycelt werden. Damit wären wir Weltmeister. Was nach hervorragender Öko-PR klingt für ein Land, dessen Umwelt-Prestigeprojekte wie die Energiewende momentan nicht allzu gut dastehen, hält der genaueren Betrachtung leider nicht stand. Was passiert mit dem Plastikmüll in der „Gelben Tonne?“

Papier- und Glasrecycling? Top! Plastikrecycling? Naja…

Die gute Nachricht zuerst: Einige Aspekte der Mülltrennung funktionieren in Deutschland hervorragend. Beim Glas und Papier liegt die reale Recyclingquote bei gut 80 Prozent. Die meisten Kartons bestehen bereits zu mehr als 90 Prozent aus recycelten Fasern. Und auch beim Glas sieht es gut aus, denn das lässt sich zum Glück beliebig oft einschmelzen und wiederverwerten.

Schwieriger wird es da schon eher beim Plastikmüll, der „Gelben Tonne“, beziehungsweise dem „Gelben Sack“. Hier landen sogenannten Weichverpackungen, wie Joghurtbecher, Tetrapacks, leere Dosen.

Die hochbezifferten Recyclingquoten werden hier in Wahrheit aber wohl kaum erreicht. Das Bundesumweltministerium nennt eine Recycling-Quote von insgesamt etwa 80 Prozent. Das ist aber leider nicht die reale Quote, sondern eine geschönte Zahl, meint Thomas Obermeier, der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft. Hier zähle nämlich nur die Menge an Müll, die in die recycelnden Anlagen hineinkommt und nicht die Menge, die am Ende tatsächlich recycelt wird.

Denn auch wenn die meisten denken, „Recycling“ bedeute, dass es direkt in neuen Verpackungen und Plastikprodukten wiederverwendet wird, ist das nicht immer Fall.

Mysterium „Recycling“: Was passiert wirklich?

Recycling-Logo

Der Grüne Punkt existiert in seiner derzeitigen Form bereits seit 1991. Grundlage dafür ist das sogenannte „Duale System Deutschland“ (DSD). Das DSD wird bezahlt von den Herstellern, die Verpackungen mit dem grünen Punkt verwenden, und beauftragt dann wiederum private Abfallunternehmen mit dem Einsammeln und Verwerten des Mülls. In staatlicher Hand liegt also nur das DSD als Mittler. Wer mehr zur Funktionsweise des Grünen Punktes erfahren möchte, findet weitere Infos in diesem offiziellen (Image-)Video.

Was dann aber tatsächlich mit dem Müll geschieht, ist eine andere Frage. Wer glaubt, dass aus dem benutzten Joghurtbecher einfach ein neuer Joghurtbecher wird, irrt gewaltig.

In der Tat wird ein Teil der gesammelten Kunststoffe für eine erneute Verwendung aufgearbeitet. Die Recyclinganlagen stellen Granulate aus Altkunststoffen her, die zum Beispiel in Fensterrahmen, Rohren oder Kunststoffpaletten zum Einsatz kommen. Der Anteil dieser Art von Verwertung liegt allerdings nur bei 12 Prozent! Aufgrund hoher Kosten steht der Einsatz bei Konsumgütern – wie dem Joghurtbecher – noch am Anfang.

Ein weiteres Problem ist, dass der Rohstoff aus der Sammlung oft nicht rein genug ist. Zu viel Restmüll landet in der gelben Tonne und verunreinigt den Altkunststoff. In Großstädten seien es sogar bis zu 50 Prozent „Fehlwürfe“. Dieser falsch getrennte Müll ist für die Anlagen absolut unbrauchbar. Er wird herausgenommen und verbrannt, zählt aber – und hier liegt ein weiteres Problem dieser Zahl – zur Recyclingquote.

Ist der Plastikmüll von minderwertiger Qualität – etwa durch Verschmutzung – wird er einfach nur verbrannt. Daraus kann zwar noch Energie gewonnen werden, aber das entspricht wohl kaum dem, was man sich normalerweise unter „Recycling“ vorstellen würde – zählt aber ebenso in die Quote.

Und zu guter Letzt bleibt ein Großteil des Plastikmülls nicht einmal in Deutschland – zumindest bis vor kurzem. Rund ein Viertel der rund 6 Millionen Tonnen an Plastikabfall in Deutschland wird kurzerhand exportiert, zum Beispiel nach China und Hongkong. Damit ist aber bald zwangsläufig Schluss.

tl;dr: Wirklich weiterverwertet werden nur 12 Prozent des Plastikmülls. Der Rest wird verbrannt oder verschifft – zählt aber trotzdem als „recycelt“.

China will unseren Müll nicht mehr. Und nun?

Netze mit getrenntem Plastikflaschen und Dosen gefüllt
Das perfekte Recycling-Bild: fein säuberlich getrennt.

Deutschland wird sich bald einen neuen Weg suchen müssen, seine Recyclingquote schönzureden. Denn China hat angefangen, den Import minderwertiger Kunststoffe zu unterbinden. Seit 1. Januar dürfen verschiedene Recyclingmaterialien nicht mehr eingeführt werden, darunter auch unsortierter Plastikmüll. Das sorgte dankenswerterweise auch in Deutschland für große Aufmerksamkeit und stieß eine Debatte um unsere Recyclingpraxis an.

Bisher importierte China die Kunststoffe, um sie selbst weiterverwenden zu können. Salopp gesagt hat China den Müll aufwendig getrennt, für den sich deutsche Recyclinganlagen zu schade oder zu faul waren – teilweise sogar noch von Hand. Damit ist jetzt Schluss und wir müssen uns fragen: Wollen wir einfach noch mehr Müll verbrennen oder gibt es eine andere Lösung?

Natürlich gibt es die. Und da Du auf einem Blog namens „Natürlich Plastikfrei“ unterwegs bist, weißt Du die Antwort sicherlich schon: Müllvermeidung. Wir gehen schlicht zu sorglos mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen um. Dazu zählen auch Kunststoffe und alle dafür nötigen Rohstoffe. Anstatt immer mehr zu produzieren und immer weiter Müll zu produzieren und beim Versuch zu scheitern, ihn sinnvoll zu verwerten, sollten wir uns viel lieber darauf konzentrieren, wie sich die Tonnen an Müll reduzieren lassen.

Das fängt bei jedem einzelnen im eigenen Haushalt an. Und genau deshalb geben wir hier im Blog Tipps für ein plastikfrei(er)es Leben und stellen plastikfreie Marken vor, wie Marie Natur, die dem Plastikverbrauch etwas entgegensetzen wollen.

Hier klicken für mehr Artikel zu Plastikmüll und Umweltschutz

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