Mikroplastik in Lebensmitteln: 5 Wege, wie wir Kunststoffe schlucken

In den letzten Jahren gab es gleich mehrere Befunde über Mikroplastik in Lebensmitteln. Trägt man alle zusammen, wird deutlich, dass wir Mikroplastik dringend den Kampf ansagen müssen.

Vorab ein Disclaimer: Tatsächlich gibt es noch viel zu wenige Studien, um wirklich belegte Aussagen darüber treffen zu können, wie Mikroplastik im menschlichen Körper wirkt und ob es schädlich ist oder einfach wieder ausgeschieden wird. Wirklich wohlfühlen bei dem Gedanken, dass verschiedene Lebensmittel von kleinsten Plastikteilchen durchzogen sind, wird sich aber wohl keiner.

Bedenklich ist aber auf jeden Fall das sogenannte Nanoplastik – also Plastikteilchen, die noch winziger sind, als die kleinen Mikroplastikpartikel, nämlich weniger als 1 Mikrometer. Dort besteht die Gefahr, dass menschliche Schleimhäute einfach vom Kunststoffpartikel durchdrungen werden und es in die Blutbahnen gelangen kann.

1. Mikroplastik in Fisch und Meeresfrüchten

Italienischer Fischstand
Italienischer Fischstand (Bild: Sergio Russo, unter CC BY-SA 2.0)

Gleich mehrere Studien und Reports entdeckten Mikroplastik in bestimmten Fischsorten und Fanggebieten. Ein Report von Greenpeace von 2016 trug einige dieser Studien zusammen.

Ein paar Beispiele gefällig? Etwa 36 Prozent der Fische zehn unterschiedlicher Arten im Ärmelkanal sind mit Mikroplastik belastet. Ebenso rund 20 Prozent von 26 untersuchten Arten vor der Küste Portugals und sogar 63 Prozent der Garnelen aus der südlichen Nordsee und dem Ärmelkanal. Wenn einem da mal nicht der Appetit auf Fisch verloren geht..

Das Problem ist schnell erklärt: Fische erkennen Mikroplastik im Meer fälschlicherweise als Nahrung und nehmen diese auf. Es landet im Magen-Darm-Trakt. Wenn mit Mikroplastik belastete, kleinere Fische von wiederum größeren Arten gefressen werden, wird das Mikroplastik erneut indirekt aufgenommen. Es bleibt also in der Nahrungskette.

Mikroplastik in Fischen wurde in der Regel im Verdauungstrakt nachgewiesen. Die gute Nachricht: Den essen wir Menschen meist nicht mit, wenn wir Fisch konsumieren. Allerdings ziehen die kleinen Plastikteilchen Schadstoffe im Meer an, die an ihnen haften bleiben. Es besteht also die Gefahr, dass über die Aufnahme von Mikroplastik Schadstoffe vom Fisch mitgefressen werden, die im schlimmsten Fall in das Gewebe übergehen. Aber auch hier ist die Studienlage noch nicht so weit, um genaue Aussagen treffen zu können.

2. Mikroplastik in Fleur de Sel

Eine Schöpfkelle aus Holz in einem Salzbehälter
„Reines“ Meersalz?

Erst kürzlich wurde auch Mikroplastik in Fleur de Sel nachgewiesen. Ebenso fielen die Tests beim herkömmlichen Meersalz schlecht aus, allerdings in geringerem Umfang als beim teureren Fleur de Sel.

Da die Salze aus Meerwasser gewonnen werden, ist das Problem ähnlich wie beim Fisch: Winzige Plastikteilchen werden bei der Gewinnung nicht aus dem Wasser herausgefiltert und gelangen in das Endprodukt.

Warum gerade Fleur de Sel so anfällig für Mikroplastik ist, erklärt sich durch die Art der Herstellung: Hierfür wird Meerwasser in Bassins geleitet, wo es nach und nach verdunstet. An der Oberfläche des Wassers entsteht eine dünne Salzschicht, die in Handarbeit abgeschöpft wird.

Auch wenn diese ursprüngliche Handarbeit in Zeiten der Industrialisierung durchaus seinen Charme hat, ist sie also leider auch der Grund, warum Mikroplastik ungefiltert in unsere Küchen Einzug hält.

3. Mikroplastik in Mineralwasser

Aus einer Plastikflasche wird Mineralwasser in ein Glas gegossen
Plastikflaschen können Schuld sein am Mikroplastik in Mineralwasser

Trauriges Ergebnis einer breit angelegten Studie aus Münster: In jedem untersuchten Mineralwasser lässt sich Mikroplastik nachweisen.

Der Mikroplastikgehalt geht teilweise auf die Verpackungsart zurück. Besonders hoch liegt der Anteil bei Mineralwasser aus PET-Flaschen. Damit bestätigen die Forscher, dass die weichen Plastikflaschen durchaus auch kleinste Partikel absondern können, die dann vom Konsumenten mitgetrunken werden.

Aber auch beim Mineralwasser aus Plastikflaschen fand man Kunststoffpartikel. Dafür haben die Wissenschaftler selbst keine richtige Erklärung. Es sei zu überprüfen, ob und wie das Plastik bei der Herstellung und Abfüllung in das Wasser gelangen kann.

4. Mikroplastik in Leitungswasser

Tropfender Wasserhahn

Leider kann sich der deutsche Verbraucher auch nicht auf der sicheren Seite wiegen, wenn er auf gekauftes Mineralwasser verzichtet und stattdessen nur Leitungswasser trinkt. Eine Studie aus den USA, in deren Rahmen weltweit Leitungswasserproben auf Mikroplastik geprüft wurden, fand in 83 Prozent aller Fälle kleinste Kunststoffpartikel im Wasser.

Die Wege, auf denen Plastikpartikel ins Wasser gelangen können, sind vielfältig. In unserer Atmosphäre seien mittlerweile Plastikteilchen enthalten, so die Forscher, die unter anderem zum Beispiel von synthetischer Kleidung und Teppichen stammen. Durch Rohre im Haushalt können diese in den Wasserkreislauf gelangen und können von den Kläranlagen nicht völlig herausgefiltert werden.

Auch durch Waschmaschinen gelange Mikroplastik sozusagen als Abrieb von Kleidung aus Kunststoffen ins Abwasser und somit zurück in unsere Wasserleitungen.

5. Mikroplastik in Honig

Honig fließt über einen Teelöffel
Wie Mikroplastik in den Honig gelangt, ist noch nicht geklärt.

Ein Wissenschaftler der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg hat in verschiedenen Honigproben Mikroplastik nachgewiesen. Insgesamt seien in 19 untersuchten Honigen Plastikpartikel zu finden gewesen sein.

Auch hier ist die Erklärung ähnlich wie beim Trinkwasser. Über die Luft können Plastikteilchen in Lebensmittel gelangen. An welcher Stelle der Honigproduktion das Plastik tatsächlich hineingelangt, ist nicht klar. Denkbar ist, dass das Equipment der Imker für die Gewinnung des Honigs Schuld sind – also Siebe, Kunststoffgefäße oder ähnliches. Womöglich nehmen Bienen die Kunststoffe aber sogar selbst auf und geben sie wieder im Honig in die Wabe ab.

Und nun? Kampf dem Mikroplastik!

An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass dieser Artikel keineswegs der Panikmache dienen soll. Allerdings sollten uns die verschiedenen Befunde schon zu denken geben. Bisher gibt es nicht genügend Forschung, um wirklich belegen zu können, ob und wie Mikroplastik im menschlichen Körper negative Auswirkungen hat. Außerdem ist die Aufnahme von Mikroplastik durch die gelisteten Lebensmittel immer noch sehr gering.

Trotzdem ist es alarmierend, dass mittlerweile sogar unsere Luft und unsere Gewässer von Plastik durchzogen sind. Dass wir unsere Atmosphäre so nachhaltig beeinflussen und verändern, müsste Grund genug sein, das eigene Konsumverhalten zu überdenken.

Mikroplastik kann verschiedene Ursprünge haben. Einer davon ist Kosmetik, der die Plastikartikel als Bindemittel oder für den Peeling-Effekt zugesetzt wurden. Welche Produkte das sind und wie sie identifiziert werden können, zeigt ein informative Artikel von careelite.

Die Alternative: Natürliche Kosmetikmarken suchen und finden. Marie Natur bietet zum Beispiel natürliche Seifen und Badesalze an – ganz ohne Kunststoffzusätze.

Außerdem entsteht Mikroplastik auch bei der Benutzung von Alltagsgegenständen und Kleidung aus Kunststoff. Deshalb: Kleidung möglichst aus reiner Baumwolle oder Wolle kaufen und sämtliche Kunststoffe, wie Polyester, Elastan oder Viskose meiden.

Ebenso sollten so viele Gebrauchsgegenstände wie möglich plastikfrei sein, um Abrieb und Mikroplastik in der Luft entgegenzuwirken. Tipps für Plastikvermeidung im Alltag findest Du hier auf natürlichplastikfrei.com!

 

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