Es steckt überall: Mikroplastik aus Kleidung

Männerabteilung in Klamottenladen

Plastik versteckt sich an ungeahnten Orten: Wer auf Plastikvermeidung Wert legt, macht vielleicht ohnehin schon einen großen Bogen um Klamotten aus Polyester und Konsorten. Was viele aber nicht wissen: Die Kunststoffkleidung ist mitverantwortlich für einen großen Anteil des Mikroplastiks, das unsere Meere und mittlerweile schon unsere Lebensmittel verseucht. Worauf du beim Kleidungskauf achten solltest.

Wie kommt das Mikroplastik aus der Kleidung ins Meer?

Auf den ersten Blick sieht ein T-Shirt aus Polyester nun nicht gerade danach aus, als würde es sich in Mikroplastik auflösen, das sich irgendwann im Meer wiederfindet. Aber genau das passiert. Synthetikfasern mögen für Kleidungshersteller praktikabel und billig sein. Allerdings bereiten sie den Meeren und unserer Umwelt zunehmend Probleme.

„Schuld“ daran ist die Waschmaschine. Wenn die Synthetikkleidung in der Trommel ordentlich durchgewaschen wird, lösen sich kleine Fasern aus Kunststoff aus den Shirts, Fleecejacken und Unterhosen. Die Waschmaschine hat zwar in der Regel eine Filtervorrichtung, allerdings reicht die nicht aus, um die winzigen Teile aus dem Abwasser fernzuhalten. Also machen sich die Fasern auf den Weg in die Kläranlagen, die genau das gleiche Problem haben: Die Teilchen sind zu klein, um vollständig herausgefiltert zu werden.

Das „gereinigte“ Wasser findet seinen Weg zurück in unseren Wasserkreislauf und in offene Gewässer. Und von dort ist es kaum mehr herauszubekommen. Eine Studie der University of Plymouth hat dieses Problem in Zahlen ausgedrückt: In einer durchschnittlichen Waschladung lösen sich über 130.000 Partikel von Baumwoll-Polyester-Mischgewebe, fast 500.000 Fasern aus Polyester und mehr als 720.000 Fasern aus Acryl.

Die Fasern sind klein. Sehr klein. Sie messen zwischen 12 und 18 Mikrometern, also in etwa ein Hundertstel eines Millimeters. Das ist auch der Grund, warum die Filter der Waschmaschinen und Kläranlagen dem Problem nicht beikommen – die Teilchen sind schlicht zu winzig.

Nun ist Kleidung natürlich nicht der einzige Mikroplastikverursacher. Auch Kosmetik steht im Verruf, unsere Meere zu verschmutzen. Das stimmt, Mikroplastik in Kosmetik ist ein Problem. Allerdings ein recht kleines, wenn man Vergleiche zu anderen Ursachen zieht. Denn nur 2 Prozent des Mikroplastiks in den Weltmeeren war ursprünglich Kosmetikprodukten beigemischt. Den größten Schaden verursacht hingegen tatsächlich unsere Kleidung: Mehr als ein Drittel aller Mikroplastikpartikel in den Meeren stammt aus Synthetik-Klamotten.

Grafik: Woher stammt Mikroplastik in Meeren. Synthetische Kleidung 35%, Reifenabrieb 28%, Feinstaub 24%, Straßenmarkierungen 7%, Schiffsbeschichtung 4%, Kosmetik 2%
Eigene Darstellung; Daten: International Union for Conservation of Nature, 2017

 

Auch wenn es also absolut wichtig ist, Peelings und Duschgels mit Plastikpartikeln zu verbannen und stattdessen natürliche, plastikfreie Hygieneprodukte zu kaufen, ist es genauso wichtig, Kunststoffen in Kleidungsstücken den Kampf anzusagen. Denn Mikroplastik birgt Risiken für unsere Umwelt und womöglich auch unsere Gesundheit.

Wie du Mikroplastik aus Kleidung entgehst

Alles in allem gibt es zwei Methoden, um nicht zur Mikroplastikverschmutzung aus der eigenen Wäsche beizutragen. Die erste liegt wohl auf der Hand: keine Klamotten aus Kunststofffasern mehr kaufen.

Das ist aber tatsächlich schwieriger, als es im ersten Moment anmutet. Denn Synthetikfasern stecken in allen möglichen Kleidungsstücken: Sportbekleidung, Socken, Fleecejacken. Deshalb am besten immer auf den eingenähten Waschzettel schauen und sich die Erklärung zum Gewebe genau durchlesen. Wenn dort 100% Baumwolle oder „Cotton“ zu lesen ist, ist das Kleidungsstück aus Mikroplastik-Sicht unbedenklich. Gleiches gilt für Wolle. Diese Bestandteile solltest du allerdings vermeiden:

  • Polyester
  • Polyamide (Nylon)
  • Polyacryl
  • Polyurethan
  • Viskose (Kunstseide)
  • Elastan

Wenn du es schaffst, all diese Gewebebestandteile aus deinem Kleiderschrank zu verbannen, ist der Umwelt ein ganzes Stück weitergeholfen.

Wäscheleine vor einer Bergkulisse
Ganz so traditionell muss es natürlich nicht sein. Aber auf rein natürliches Gewebe sollte man beim Kleidungskauf achten.

Aber was tun mit bereits gekauften Kleidungsstücken? Wie bei jeder Art von Konsum gilt eigentlich: Je mehr benutzen, desto besser. Schließlich ist das Produkt schon produziert, das heißt die Ressourcen und die aufzuwendende Energie sind schon verbraucht. Wer also sein Lieblingsteil mit Polyester-Anteil nicht gleich wegwerfen will, kann und darf das gerne tun.

Um bei der Weiternutzung das Mikroplastikproblem nicht auszuklammern, gibt es noch eine zweite Lösung: ein filternder Wäschebeutel, zum Beispiel von Guppyfriend. Dort werden Kleidungsstücke mit Synthetikanteil einfach vor dem Waschen hineingegeben. Der Beutel wird verschlossen und ganz normal mitgewaschen. Die abgeriebenen Kunststofffasern bleiben an der Innenseite hängen und können mit der Hand „ausgeschabt“ und im Hausmüll entsorgt werden. So bleiben die Abflussrohre garantiert frei von Mikroplastik.

Baumwolle bevorzugt: Reines Gewissen und reines Körpergefühl

Einen nützlichen Nebeneffekt hat das Verbannen von Synthetik in der Kleidung zudem: Du kaufst automatisch hochwertigere Kleidung. Denn manche Plastik-Shirts sind in der Regel die besonders günstigen, die nach ein paar Mal waschen aufrauen und sich nicht mehr wirklich gut auf der Haut anfühlen.

Der wahrscheinlich beste Nebeneffekt ist allerdings, dass du deutlich weniger Körpergeruch in Baumwoll-Shirts entwickelst. Gerade bei heißen, schwülen Temperaturen versagt schon mal das Deodorant. Frischer Schweiß riecht in der Regel allerdings kaum. Erst durch die Zersetzung durch Bakterien entsteht unangenehmer Körpergeruch.

Und genau diese Bakterien fühlen sich in Synthetikfasern, wie Polyester deutlich wohler als in Baumwolle. Deshalb fangen Träger von Baumwollkleidung erst deutlich später und weniger stark an, nach Schweiß zu riechen.

Also: Der Umweltschutz und der Kampf gegen Mikroplastik hilft dir sogar, dich bei heißen Temperaturen wohler zu fühlen. Wenn das kein Anreiz ist, Synthetikfasern ab jetzt zu umgehen!

Mehr Tipps zur Vermeidung von Plastik und Mikroplastik? Hier klicken!

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